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14. Mai 2009

Sensationsfund auf der Schwäbischen Alb

Filed under: Archäologie,FGK,FGK-Blogroll,Peters — Frank @ 22:05

Update des FGK-Artikels vom 10. Mai
Tübingen – Der Urgeschichtler Professor Nicholas Conard stellte am Mittwoch, den 13. Mai in einer Pressekonferenz in Tübingen die bereits groß angekündigte Sensation vor.


„nature“ im Interview mit Nicholas Conard.


Bayern2 Radio Interview mit Archäologe Nicholas Conard.


Bei dem Fundstück handelt es sich um eine geschnitzte Frauenfigur aus Mammutelfenbein. Sie ist nur sechs Zentimeter lang und soll bis zu 40 000 Jahre alt sein: Der Fund wurde bei Ausgrabungen am 9. September 2008 entdeckt. Damit ist die Venus aus dem Hohle Fels bei Schelkingen die älteste Frauendarstellung, die bisher gefunden wurde.
venus.jpgKamerateams, Journalisten und viele Fotografen drängten sich im Presseraum und sahen eine Figur ohne Kopf, dafür allerdings mit einem massigen Körper, großen Brüsten und einem ausgeprägten Schambereich. Der linke Arm fehlt jedoch bei der Figur. Die Hände der „Venus“ (Foto) liegen entspannt auf dem Bauch. Die spitzen Beine sind verkümmert. Schnitte und Linien prägen die Elfenbeinoberfläche. Ob die Figur mit ihren ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen ein Symbol für Sexualität und Fruchtbarkeit war, darüber lässt sich nur spekulieren.
nicholas-conrad.jpgDazu Nicholas Conard (Foto) mit einem Ginsen auf dem Gesicht: „Ich war schließlich vor 40 000 Jahren nicht dabei „. Eine winzige, fein gearbeitete Öse am Hals deutet darauf hin, dass die Figur möglicherweise auch als Anhänger genutzt wurde. „Für mich strahlt diese Figur eine große Kraft und sehr viel Energie aus“, sagte Conard, der offensichtlich fasziniert ist von „seiner“ Venus, obwohl er immer wieder betonte, dass er sich bisher auch über bescheidenere Funde gefreut habe. Er bemühe jedoch, den Vorgang möglichst leidenschaftslos zu sehen. Dass das nicht immer einfach ist verrät seine Erinnerung: „Ich war sprachlos, meine Kollegen waren sprachlos, alle waren sprachlos.“
Fotos: H. Jensen/University of Tübingen


FGK- Artikel vom 10. Mai 2009
Schelklingen/Blaubeuren – Bekommt die „Venus von Willendorf“ jetzt Konkurrenz von der Schwäbischen Alb?
hohlefels.jpgDie Höhlen der Schwäbischen Alb haben schon wieder ein eiszeitliches Kleinkunstwerk freigegeben, das bereits jetzt als Weltsensation gehandelt wird.
Im „Hohlen Fels“, (Bild – Höhleneingang) einer fundträchtigen Höhle im Achtal zwischen Blaubeuren und Schelklingen (Alb-Donau-Kreis), hat das Team des Tübinger Frühgeschichtlers Prof. Nicholas Conard wieder eine eiszeitliche Skulptur ausgegraben. Sie soll noch spektakulärer sein als das kleine Mammut, das 2007 im Abraum der Vogelherdhöhle im Lonetal entdeckt wurde. Die Schwäbische Alb wird seit mehr als 150 Jahren von Archäologen untersucht und gilt als besonders gut erforscht.
venus_willendorf.jpgDer Grabungsleiter Conard verwies auf eine Pressekonferenz am kommenden Mittwoch, den 13. Mai 2009 in Tübingen, wo das Geheimnis gelüftet werden soll. Schon jetzt kursieren in Fachkreisen Gerüchte, deren Bandbreite von einer „menschenähnlichen Gestalt“ bis zu einer „Frauenfigur mit ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen“ reicht, die eine Ähnlichkeit mit der in Österreich gefundenen „Venus von Willendorf“ (Bild) aufweisen soll. Es wird vermutet, dass es sich um die älteste Frauendarstellung der Welt handeln könnte.
hohle_fels.jpgDie Funde aus dem „Hohlen Fels“, (Bild: Höhlenbereich), wo 2002 eine kleine Version des Löwenmenschen sowie das Figur eines Wasservogels entdeckt wurden, sind bis zu 35.000 Jahre alt somit der Altsteinzeit zuzurechnen sind. Sie gehören zusammen mit den eiszeitlichen Kleinplastiken aus dem Lonetal zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit.
Bei den Lonetalern Funden handelt es sich allerdings meistens um Tierdarstellungen, wie z.B. das Wildpferdchen aus der Vogelherdhöhle, Höhlenlöwen, Mammut und anderes mehr.
loewenmensch2.jpgSpektakuläre Ausnahme blieben der große und der kleine Löwenmensch, zwei Mensch-Tier-Mischwesen. Als bislang einzig bekannte menschenähnliche Darstellung jener Zeit gilt der geschlechtslose „Adorant“ aus dem Geißenklösterle, ebenfalls im Achtal. Aber der könnte ebenfalls ein Mischwesen sein.
Im Bereich der Schwäbischen Alb gelingen schon seit vielen Jahren immer wieder aufsehenerregende Funde. So wurde 2006 die älteste vollständig erhaltene Elfenbeinfigur der Menschheitsgeschichte entdeckt. Es handelte sich um ein Mammut von knapp vier Zentimetern Länge. Als spektakulär gilt auch ein rund 30 Zentimenter großer Löwenmensch (Bild) aus Elfenbein.

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