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14. April 2009

Anbauverbot für Gen-Mais in Deutschland!

Filed under: FGK,FGK-Blogroll,Gesundheit,Peters,Umwelt — Frank @ 22:54

stop_the_crop.jpgBundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Jeder Anbau und weitere Verkauf von Mais der Sorte MON 810 – gentechnisch verändertem Mais – ist verboten.“ Es gebe berechtigten Grund zu der Annahme, dass MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Einer neuen Schweizer Studie zufolge ist die genmanipulierte Maissorte der Firma Monsanto in der Lage, ein Gift zu produzieren, dass sich gegen einen Maisschädling, den Maiszünsler, einen Schmetterling richtet. Dieses Gift schadet aber nicht nur den Raupen des Maiszünslers, es kann auch die Entwicklung anderer Insekten beeinträchtigen, die wiederum Amphibien, Fischen oder Vögeln als Nahrungsquelle dienen. Kritiker betrachten den Anbau genmanipulierter Pflanzen deshalb als gefährlichen Eingriff in die Nahrungskette.

Ältere Studien berichten sogar von Orientierungsproblemen bei Bienen und von Schäden am Immunsystem von Mäusen, die mit dem Mais gefüttert wurden. Die Skepsis gegen den Gen-Mais ist gewachsen, seitdem Bienen in Bayern mit Pollen von MON 810 Honig verunreinigt haben. Der Honig musste vernichtet werden. Der rund 20 Jahre währende Widerstand gegen die Agro-Gentechnik trägt nun endlich Früchte. Die Zeit wurde auch knapp, denn in der zweiten Aprilhälfte beginnen die Bauern mit der Maisaussaat. Ob das Verbot von MON810 auch nach den nächsten Bundestagswahlen Bestand haben wird?

Dennoch ist der Kampf noch nicht gewonnen:
Die heutige Entscheidung kann nur der erste Schritt gewesen sein. Nun muss sich Ministerin Aigner auch gegen die Zulassung der beiden Genmaissorten Bt11 von Syngenta und 1507 von Pioneer einsetzen.“
Außerdem wird sich zeigen, ob die heutige Entscheidung Konsequenzen hat für weitere riskante Freilandversuche wie etwa den geplanten Anbau von genmanipulierten Pharma-Kartoffeln.
Kommentar von Kirsten Tackmann:
„Ministerin Aigner konnte die berechtigten Proteste und Bedenken nicht länger ignorieren. Das Verbot des Genmais MON 810 zeigt: wenn außerparlamentarische Aktionen mit parlamentarischem Druck einhergehen, kann Politik verändert werden. Wissenschaftliche Bedenken über den Genmais bestehen nicht erst seit kurzer Zeit, sondern werden seit Jahren vorgetragen. Daher lehnen auch vier von fünf Verbraucherinnen und Verbrauchern den Einsatz der Agro-Gentechnik ab. Unter diesem Druck der Argumente musste auch die Bundesagrarministerin reagieren und dem Treiben von einigen Wenigen auf Kosten Vieler ein Ende bereiten.“
Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE
gen-mais.jpgWeitere Infos zum Gen-Mais:
Gentechnisch veränderter Gemüsemais ist in der EU zwar zugelassen, aber derzeit nicht im Handel. Auch Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Zutaten enthalten, müssen ab einem Schwellenwert von 0,9 Prozent gekennzeichnet sein. Dazu zählen z.B. Cornflakes aus Gen-Mais. Es gibt allerdings keine Kennzeichnung von Fleisch von Tieren, die gentechnisch verändertes Futter bekommen haben.
Was sagen Landwirte zum Anbauverbot des Gen-Mais?
„Wir können nur das anbauen, was zu vermarkten ist. Die eigentliche Entscheidung treffen die Verbraucher: Die Deutschen kaufen keine genveränderten Produkte.“

Weitere Aktionen von campact: Kein Gen-Mais in Europa
Bildquellen: www.campact.de

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