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26. Februar 2008

Frostige „Arche Noah“ für Saatgut auf Spitzbergen

Filed under: FGK-Blogroll,Gesundheit,Kronwitter — Tau-Ceti @ 20:03

Longyearbyen (dpa) – Als „Arche Noah“ für alle Nutzpflanzen auf der Welt hat am Dienstag eine neue Samenbank ihre Tore auf der Polarinsel Spitzbergen geöffnet.
Eingang zum Stollen auf Spitzbergen: Eine tiefgekühlte Schatzkammer für die Kulturpflanzen der Menschheit ist auf der Polarinsel Spitzbergen unweit des Nordpols eröffnet worden.
Copyright dpa 2008

In drei Berghöhlen sollen hier bei Dauerfrost die Keime von mehr als vier Millionen Pflanzen wie Reis, Mais, Bohnen und Kartoffeln gesammelt, eingefroren und für die Zukunft gesichert werden. Mit dieser „eisernen Reserve“ sollen die Menschen nach möglichen Katastrophen durch Klimaänderungen, Kriege, Epidemien oder anderen Problemen wieder neue Keime aller existierenden Nutzpflanzen anbauen können.
Der aus Brüssel in die Polarkälte gereiste EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Anlage einen „gefrorenen Garten Eden“: „Das ist wirklich ein Symbol dafür, dass wir die Artenvielfalt der Welt auch für zukünftige Generationen bewahren können.“ Die Friedensnobelpreisträgerin und Umweltschützerin Wangari Maathai aus Kenia trug zusammen mit Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg die erste Kiste mit Saatgut aus 104 Ländern in eine der drei Lagerhallen in einem Bergmassiv nahe des norwegischen Polarstädtchens Longyearbyen.
Das hier wird die wichtigste Bank der Welt. Es ist fantastisch, dass wir daran mitwirken können, unsere Pflanzen als vielleicht wichtigsten Schatz der Menschheit für die Zukunft zu sichern“, sagte Stoltenberg bei der feierlichen Eröffnung. Für umgerechnet 6,3 Millionen Euro (50 Millionen Kronen) hat die Osloer Regierung drei Hallen samt Zugang in einen permanent von Frost gekühlten Berg bohren und sprengen lassen.
Zusätzliche Kühlaggregate halten die Temperatur auf minus 18 Grad. Fallen sie aus, bleibt es durch den natürlichen Permafrost (Dauerfrost) im Stein immer noch so kalt, dass die gigantische Samensammlung nicht auftaut. In regelmäßigen Abständen sollen aus allen Ländern neue Samenproben geschickt werden, damit die Genbank für alle Zeiten funktionsfähig bleibt.
Angelegt ist das Lager in einer Höhe von 130 Metern, damit selbst Überschwemmungen von kaum vorstellbaren Dimensionen keinen Schaden anrichten können. Ein bisschen an Bizarres aus James-Bond-Filmen erinnert auch die stolze Mitteilung der Konstrukteure, dass ihre Samenbank sicher gegen Atomkriege sowie direkte Raketenangriffe konstruiert ist. Gesichert und überwacht wird die Anlage in Sichtweite des Polarmeeres durch unzählige Bewegungsmelder und Videokameras vom benachbarten Flugplatz Longyearbyen aus. Die Technik schließt auch aus, dass sich jemand allein Zutritt verschaffen kann.
Alles eben ein bisschen wie bei James Bond und dem legendären Fort Knox mit den Goldreserven der USA. Dabei gilt die Hauptsorge der Experten weder bösen Terroristen noch globalen Katastrophen im Stil des „Jüngsten Tages“. Vielmehr verschwinden schon jetzt immer mehr Nutzpflanzen aus Nachlässigkeit, oder weil den Bauern die Mittel zu ihrer Erhaltung fehlen. Auf diese Weise sind in den vergangenen Jahren in Asien allein 70 000 Reis-Sorten für immer verschwunden. Ab sofort nun können mit der Artenerhaltung beschäftigte Wissenschaftler aus allen Ländern der Welt Kopien ihrer eigenen Saatgutsammlungen nach Spitzbergen schicken.
Das Interesse an der Saatgutbank fanden die norwegischen Initiatoren überwältigend. „So viel Presse hatten wir auf Spitzbergen nicht, seit Nobile verschollen war“, sagte Projektsprecher Ole Hertzenberg. 1928 war der Italiener Umberto Nobile (1885-1978) mit seinem Luftschiff „Italia“ auf dem Weg zum Nordpol zeitweise verschollen. Er wurde von Spitzbergen aus gesucht und gefunden. Für immer verschollen blieb der an der Suche beteiligte Norweger Roald Amundsen. Er hatte 1911 als erster Mensch den Südpol erreicht.
Web-Link zum Thema: http://www.seedvault.no
Quelle: freenet.de scienceticker/font>
Anm. d. Red.: Im Bericht wird erwähnt, dass die Hauptsorge der Experten nicht böse Terroristen oder globalen Katastrophen seien, sondern weil immer mehr Nutzpflanzen verschwinden. Hierbei darf die Frage erlaubt sein, ob es nicht auch einfachere und kostengünstigere Alternativen zum oben aufgeführten Projekt gibt. Wir möchten bei dieser Gelegenheit noch einmal auf einen Bericht vom 22.10.2007 zum Thema hinweisen, siehe

Der Urzeit-Code – eine ökologische Alternative zur Gentechnologie

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