Forum Grenzwissenschaften und Kornkreise Kornkreise – Grenzwissenschaftliche Untersuchungen (Archiv-2019)

19. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (7)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Der letzte Sargnagel (I)

Ein letztes Argument wurde immer noch gegen eine Fälschung vorgebracht, nämlich das es fast unmöglich war und sehr zeitraubend sein würde, die Wackelei einer handgehaltenen Kamera mit animierten Effekten zu kombinieren. Aber ist es denn, wonach es aussieht – handgehalten? Für dieses scheinbare Problem gibt es eine einfache Lösung: es ist ein Stativ verwendet worden, mit dem der Kornkreis am OC aufgenommen wurde, so dass die animierten Lichter und das Erscheinen des Kornkreises mühelos drübergelegt werden konnten. Dann wurde diese „mehrschichtige“ Szene von einem Studiomonitor guter Qualität mit einer 8mm Videokamera abgefilmt und dabei die Wackelei vorgetäuscht! Dieser einfache Trick verlangt nicht im Entferntesten nach den Fähigkeiten eines George Lucas, wie einiger der Pro-Echt-Kreuzritter behaupteten.
Es erklärt dann auch, warum der Kameramann nicht den Lichtern gefolgt ist, was wohl eher in der Natur des Menschen gelegen hätte. Die Kamera hätte nach rechts und links schwenken müssen, was sie nicht tut.
Die eindrucksvollste technische Analyse des OC-Videos wurde seinerzeit von Jim Dilettoso durchgeführt, der in den Jahren vorher schon hunderte von Ufo-Bändern untersucht hatte. Er wusste zu dem Zeitpunkt noch nichts von Huckvales Entdeckung der Video-Felder ohne Bewegung der Lichtbälle und konnte keinerlei Bearbeitungsspuren an den nicht-bildlichen elektromagnetischen Teilen der Bänder finden, den quasi digitalen Fingerabdruck in den vertikalen Intervallen, finden und erklärte somit das Videoband selbst als nicht computermanipuliert.
Als Peter Soerensen ihn dann 1998 erneut traf und ihm von dem Trick mit der Wiederaufnahme erzählte, um den Eindruck einer handgehaltenen Kamera hervorzurufen und somit auch kein digitaler Fingerabdruck auf dem Videoband sein konnte, erkannte er diesen Trick als wirklich einfach durchzuführen an und relativierte so seine frühere Expertise.
Insgesamt ist das Video völlig in dem Zeitrahmen zu erstellen, den sich Wheyleigh selbst gegeben hatte, indem er morgens im Barge anrief und eine Vorführung für den Abend ankündigte. Die Erstellung der Flugbahnen dürfte nicht länger als eine Stunde gedauert haben, mit der Copy- und Paste-Technik wurde dann das Piktogramm zunächst zugedeckt und der vorher ausgeschnittene Patch dann wieder aufgezogen. Wer hat sich nicht schon gewundert, dass die Lichtkugeln nicht den Einzelteile des Piktogramms durch ihren Flugweg folgten und dass sie einfach nur im Kreis drüberflogen? Nun, es hätte sicher viel mehr Zeit in Anspruch genommen, dieses kompliziertere Muster zu animieren.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

17. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (6)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Die Smoking Gun

Ein paar Tage später erreichte Peter der Anruf von John Huckvale, dem Besitzer des Videostudios, in dem sie alle vorher gewesen waren. Er hatte etwas entdeckt, das wohl die Smoking Gun für den Nachweis eines Hoaxes bedeutete. Seine Entdeckung machte es sehr, sehr, ja beinahe vollständig unmöglich für das Video, einen echten Vorgang zu zeigen. Alle anderen Argumente verblassen angesichts dieses Beweises.
Wir alle wissen, dass ein Spielfilm aus einem langen Streifen mit aneinandergereihten Bildern, den Frames, besteht. Video-Frames hingegen werden als elektromagnetische Signale aufgenommen und deswegen kann man sie auch nicht sehen, wenn man ein Videoband gegen das Licht hält.

Interlaced_Animation

Um zu verstehen, weshalb das Oliver’s-Castle-Video (OC-Video) ein Schwindel ist, muss man den entscheidenden technischen Trick verstehen, mit dem generell Video auf Band aufgenommen wird. Jeder Video-Frame besteht aus zwei „Feldern“, dem Feld mit den geraden Zeilennummern und dem Feld mit den ungeraden Zeilennummern. Die Zeilen mit den ungeraden Zeilennummern (erstes Feld) werden zuerst gescannt, danach werden die geraden Zeilennummern gescannt (zweites Feld). Diese Felder werden also nacheinander aufgenommen und wiedergegeben, eins nach dem anderen. Im britischen „PAL“-System, das 25 Frames pro Sekunde wiedergeben kann, geschieht dies mit 1/50stel Sekunde Verzögerung zwischen diesen beiden Feldern eines Frames. So zeigt also jedes Feld eines Frames die gleiche Szene mit einem geringen Zeitunterschied, eben dieser 1/50stel Sekunde. Genau genommen stellen diese beiden Felder zwei eigene Frames innerhalb des Gesamtframes dar, die jedoch nicht einzeln angeschaut werden können, wenn man seinen Videorecorder anhält.
Tut man dies, wird man immer nur ein gesamtes Bild – den Frame, an dem der Recorder anhielt – sehen. Weil aber nun zwei Einzelbilder in diesem Frame stecken, die zeitlich etwas unterschiedlich aufgenommen sind, wird ein sich schnell bewegendes Objekt minimal im Bild flimmern oder leicht unscharf oder verschmiert erscheinen. Schauen Sie sich einen Fußball im Fluge an und stoppen dann den Recorder, dann werden Sie diesen Effekt sehen.
Die Lichtbälle im Original OC-Video zeigen keinerlei derartige Verschmierung oder ein Flimmern, obwohl sie ja scheinbar mit über hundert Stundenkilometern über das Feld rasen! Das hätte bei einer Aufnahme mit einer normalen Videokamera niemals sein können. Dies ist nun keine persönliche Meinung, sondern einfach ein Fakt. Videoframes haben zwei Felder. Reale Lichter hatten sich zwischen diesen beiden Feldern gering bewegen müssen. Sie tun es aber hier nicht!
Aber eine Computeranimation kann genau diesen Effekt hervorrufen. Computer können Szenen rendern, aber das braucht Zeit, mehr noch, wenn Bewegungsunschärfen beseitigt werden sollen. Und Zeit war für Wheyleigh ein wichtiger Faktor, denn er wollte ja das Video schon am gleichen Abend im Barge zeigen.
Die Lichter sind durch einen Computer animiert und später zu den Bildern mit dem Piktogramm hinzugefügt worden. Das ist so ähnlich wie in „Forrest Gump“ , in dem Tom Hanks in die Szenen mit JFK eingefügt wurde. Das OC-Video ist eine Fälschung, einfach und simpel ein Hoax.
Die Fraktion der Echt-Gläubigen führte Animationsexperten an, die gesagt hätten, es würde Tage oder Wochen dauern, diese 8 Sekundenszene zu fälschen. Ja, es gab sogar Äußerungen aus diesen Kreisen, dass das Video erst auf Film (!) hätte kopiert werden müssen, um ihn dann komplettiert mit einer Hintergrundprojektion neu aufzunehmen und zurück auf Video zu überspielen. Allein die Zeit, den Film zu entwickeln, hätte die Dauer eines Tages weit überschritten. Also mussten die Hoax-Befürworter falsch liegen. Offensichtlich hatten, selbst zu damaliger Zeit im Jahre 1996, diese „Experten“ keine Ahnung von den inzwischen stattgehabten Weiterentwicklungen in der Computeranimation.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

15. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (5)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine

Nach der Ankunft im Studio begann Peter, zu filmen, weil er das alles für eine spätere Dokumentation festhalten wollte, wurde jedoch sofort von John ermahnt, ihn ja nicht mit ins Bild zu nehmen, weil er unbedingt anonym bleiben wollte. Danach bemerkte Peter, mit welcher Selbstverständlichkeit John die 8mm-Kassette aus der Kamera nahm, ohne Zögern hinüber zu den Halterungen der verschiedenen professionellen Videomaschinen ging und die Kassette in die einzige passende 8mm-Maschine einlegte und sofort den Startknopf drückte – als ob ihm diese industrielle Ausrüstung sehr vertraut war und er sie nicht zum ersten Mal bediente.
Während der folgenden Stunde wurde das Video auf dem Slo-Mo-System intensiv betrachtet, vorwärts und rückwärts gespielt, schnell und ganz langsam und mit wechselnden Vergrößerungen.

Diagramm Flugbahnen Oliver's Castle
Die Flugbahnen der BOLs über dem Piktogramm

Der entscheidende Video-Schuss beginnt mit zwei BOLs, die knapp einen Meter groß erscheinen und sich in der Mitte des Bildes befinden („A“ im Diagramm) und von dort mit geschätzten über 100 km/h über das Feld huschen.
Lee entdeckte einen dritten BOL, der nur im ersten Frame (=Bild in der Abfolge des Videos) auftaucht und dann im zweiten Frame nicht mehr zu sehen ist und auch nicht mehr auftaucht. Nach weiteren zwei Sekunden im Ablauf der Szene beginnt sich der Kornkreis in der Mitte des Bildschirmes zu zeigen. Zur gleichen Zeit fliegt ein ganz schwaches Licht (B) hinter einen Baum, erscheint wieder, überquert die Hecke hinten und fliegt zur mittleren Hecke. (Dieses Licht ist nur auf guten Kopien sichtbar. Man wird es kaum wahrnehmen, bis es Punkt C erreicht. Bis dahin hat es dann einen kleineren Partner bekommen.
Inzwischen ist die Szene bei 5 Sekunden Dauer angekommen und das erste Lichterpaar ist vom Kornkreis weggeflogen. Ein Licht, das augenscheinlich tiefer fliegt, durchquert die mittlere Hecke und gleitet davon. Während es mit den Fernsehern zu Hause schwer zu erkennen ist, zeigte es sich im Studio unter digitaler Vergrößerung, dass das Licht durch – nicht über – das Gebüsch fliegt. Dies ist von Bedeutung, denn es würde zeigen, wie niedrig die Objekte flögen. So befinden sie sich nur wenige Fuß über dem Weizen, scheinen aber kein Licht darauf, obwohl sie einige Größenklassen heller sind als die Umgebung.
Nachdem das zweite Lichterpaar (B) über und rund um den Kornkreis geflogen sind, verlassen sie an zwei Stellen (D und G) die Frames. Die Kamera unternimmt keinen (!) Versuch, ihnen zu folgen, als sie am Rand verschwinden. Jeder, der bisher das Band sah, bemerkte das als eigenartig, weil doch die meisten den Lichtern folgen würden. An dieser Stelle wurde von den Verteidigern des Videos angeführt, dass Wheyleigh von der Kornkreisintelligenz wohl beeinflusst wurde, nur auf den Kornkreis zu halten. Auf diese ganz spezielle Art der Kameraführung wird noch eingegangen.
Peter, der damals schon seit über 20 Jahren Erfahrungen in der Computeranimation hatte und miterlebte, wie sich die Technik von den einfachsten Anfängen bis hin zu den fotorealistischen Dinos von Jurassic Park entwickelt hatte, wurde von einer Sache irritiert, die er dort jedoch noch für sich behielt. Auch unter der größten Vergrößerung fiel auf, dass die Lichter in der Richtung ihrer Bewegung nicht leicht verwischt waren, wie es bei Verschlussgeschwindigkeiten bei dem Licht der frühen Dämmerung speziell mit Video hätte sein müssen.
Peter behielt dies für sich, denn wenn das Video echt wäre, hätte er John mit seinen Zweifeln verärgert und außerdem waren das sehr technische Details, für deren Beurteilung echte Video-Ingenieure besser qualifiziert wären, als John. Wenn es aber doch eine Fälschung war, dann wollte er John gegenüber noch nicht verraten, dass er eine Ratte roch.
Zurück in Alton Barnes wurde das Video an den nächsten zwei Abenden vor vielen faszinierten Menschen immer wieder abgespielt, vor und zurück, bis der Rewind-Knopf heiß war.

Polly Carson-als sie das Video zum erstenmal sah Die Farmersfrau Polly Carson beim Anschauen des Videos

An diesen Abenden begann die Pro- und Contra-Debatte, die lange anhielt. Die nicht-verschmierten Lichter waren damals das härteste Contra- Argument, während das leichte Wackeln der scheinbar handgehaltenen Kamera das stärkste Pro-Argument lieferte, denn alle glaubten zunächst, dass es extrem schwierig sei, Computerbilder mit den Wacklern in Übereinstimmung zu bringen. Doch es kam anders.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

13. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (4)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

John Wheyleigh

John WheyleighZufallsfoto von Peter Soerensen im Barge Inn. Links Ulrich Cox von hinten, in der Mitte John „Wheyleigh“/Wabe halb von hinten und rechts Lee Winterston. Copyright Peter Soerensen

Peter und Ulrich waren mitten im vermeintlich geheimen Treffen mit Wheyleigh und John hatte Peter gerade erklärt, dass er der einzige Vermittler, Verbindungsmann und Eingeweihte bezüglich des Videos sein sollte. Er erwähnte nicht, dass er genau das gleiche Angebot gegenüber Colin Andrews ebenfalls bereits gemacht hatte. Plötzlich tauchte Lee Winterston auf, der irgendwie Wind von dem angeblich geheimen Treffen bekommen hatte.

car_1996Wheyleigh/Wabes Auto auf der Fahrt nach Swindon 1996
Copyright Peter Soerensen

Er war auch begierig, an das Video zu kommen und nachdem er mitbekam, dass John das Original-Video dabei und immer noch in der Kamera hatte, machte er den Vorschlag, in ein Fernsehstudio nach Swindon zu fahren, um das Filmmaterial mit der dortigen professionellen Ausrüstung zu untersuchen. Auf der historischen Fahrt zur ersten professionellen Analyse des möglicherweise epochalen Videos fotografierte Peter die Wagen, nicht ahnend, dass das Foto von John’s Auto später einmal der Beweis sein dafür sein würde, dass Wheyleigh nicht der war, der er zu sein vorgab.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

9. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (3)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Die Hintergrundgeschichte (II)
Peters Puls sprang über die 100-Marke, als Wheyleigh ihm auch noch mitteilte, dass er eine Kopie an Colin Andrews und an Peter zur Analyse geben wollte. Wheyleigh berichtete mit leiser Stimme, dass er gegen Morgen nach der regnerischen Nacht unter seiner Plastikplane das in der Kornkreisszene bekannte „elektronische Zirpen“ vernahm. Er kroch hervor und sah, dass in dem Feld unterhalb des steilen Abhangs Lichter kreisten. Er griff nach seiner Kamera, die aber wegen der Feuchtigkeit nicht funktionieren wollte. Inzwischen seien die Lichter verschwunden. Dann begann die Kamera doch zu laufen und auch die Lichter kehrten plötzlich zurück. Er konnte erkennen, dass unter den Lichtern ein Kornkreis erschien. Noch atemlos von dem eben erlebten, wurde er einer Gruppe Armeesoldaten auf ihrem Morgenlauf gewahr, aus der er heraus angesprochen wurde: „Hast Du bekommen, weswegen Du herkommen bist?“. Da glaubte John, die Armee wüsste über das eben Geschehene Bescheid und verließ beunruhigt und hastig den Platz.
John erschien die ganze Zeit über, in der er Peter sein Erlebnis berichtete, sehr nervös, manchmal zitterten ihm die Hände. Er habe Angst vor verfolgenden Reportern und vor der CIA oder dem MI5, die in seine Wohnung einbrechen könnten. Peter erhielt eine geheime Nummer von Johns Freund und versprach, Peters Anrufe zu beantworten, was er bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auch tat. Ob er sein Originalvideo, wie jeder es ihm riet, auch wirklich versteckt hat, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, denn nach dem Treffen mit Peter im Barge gab es Berichte von anderen, die da Video in der Folgezeit auch noch gesehen haben und John habe es als das Originalvideo ausgegeben, abgespielt mit derselben Kamera, von der er sagte, dass sie manchmal die Filme falsch spulte und zerstörte!
Peters hatte von John einen ziemlichen überzeugenden Eindruck und tendierte John zu glauben und hoffte, das Video wäre nun der Beweis, auf den damals alle hofften. Der deutsche Kornkreisforscher Ulrich Cox, ein Freund von Peter, war die ganze Zeit anwesend und berichtete jedoch, dass er Wheyleigh, der allen in der Szene völlig unbekannt war, am Abend, bevor der Kornkreis bei Oliver’s Castle erschien, im Pub gesehen hat. Dort habe Wheyleigh getönt, dass er trotz des schlechten Wetters in der Hoffnung, etwas sehen zu wollen, am Oliver’s Castle campen werde.
Waggon+Horses

Das Waggon & Horses in Beckhampton

Schließlich musste Peter noch weitere drei Wochen auf die Übergabe einer Kopie auf einer VHS-Kassette warten. Die Übergabe fand im Waggon & Horses in Beckhampton statt, einem wunderbaren, alten Pub in Beckhampton. Er war früher der Haupttreffpunkt der Szene, bevor sie sich rüber zum Barge Inn mit seinem verschworenen Campingplatz verlagerte.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

7. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (2)

Das Ende eines Mythos von Joachim Koch

Die Hintergrundgeschichte (I)
Alles begann in den Morgenstunden des 11. August 1996. Kaum hatte sich der Morgendunst über den Feldern gelichtet, da rief eine männliche Person, die sich als Jonathan Wheyleigh ausgab, im Nabel der Kornkreiswelt damals, dem „Barge Inn“ in Honeystreet, Wiltshire, an und gab gegenüber dem anwesenden Lee Winterson und der Pub-Besitzerin June Potts seine Geschichte preis.
Barge Inn

Das „Barge Inn“ in Honeystreet

Er habe in der Nacht am ca. 10 Meilen entfernten Oliver’s Castle gecampt, seine Kamera dort aufgebaut und sah in den Morgenstunden Lichtkugeln (Balls Of Light = BOLs) über ein Feld fliegen. Danach erblickte er in dem Feld einen Kornkreis, den er dort vorher nicht bemerkt hatte. Er wolle sich in den Abendstunden mit Peter Soerensen im Pub treffen und ihm das Video zeigen, man solle ihm Bescheid geben. Peter war damals einer der führenden Video-Dokumentatoren der Kornkreisszene in der Gegend.
Als Peter dann mittags zum Lunch im Pub erschien und die Nachricht bekam, fuhr er sofort mit Nick Nicholson, dem stets gutmütigen Redakteur des Circular Review Magazins, hinaus zum Feld und sah dort die sechsarmige Schneeflocke im Korn liegen.
Abends dann im Pub wogten die Spekulationen über die Neuigkeit hoch und in alle Richtungen. Das wäre es doch! Die lang erwartete „Smoking Gun“ des Kornkreisphänomens insgesamt! Auch für Hans-Jürgen Kyborg und mich wäre das eine schöne Bestätigung gewesen, denn gerade eben hatten wir im Rahmen unserer andauernden Kommunikationsexperimente unser 196 m langes Piktogramm im Rabbit Holes auf der Carson Farm fertiggestellt.
Kommunikationsexperiment_Koch_Kyborg_1996

Kommunikations-
experiment Koch/Kyborg 1996:

Die Verbindung vom dritten Planeten im Sol-System mit dem zweiten Planeten um HD 42807

Peter wartete lange auf den mysteriösen Anrufer und verließ nach seinem vierten Scrumpy Jack gegen 22:00 Uhr, zusammen mit anderen enttäuschten Croppies und in der Annahme, einem Scherz aufgesessen zu sein, den Pub. Kurz nach der „Last Bell“, der Aufforderung zur letzten Bestellung um 23:00 erschien dann noch tatsächlich jener Wheyleigh und zeigte seine Kamera mit dem Video im Pub herum. Die Reaktionen waren entsprechend und die Kunde von dem „historischen“ Video verbreitete sich durch die Augenzeugen in Windeseile.
Peter, der sich ob der verpassten Situation am liebsten selbst getreten hätte, saß dann drei Tage später wieder zum Lunch im Barge, als ein schüchtern wirkender junger Mann von schätzungsweise 22 Jahren an seinem Tisch Platz nahm. Eine halbe Stunde lange hatte er fast gar nichts gesagt, als er sich plötzlich herüberlehnte und mit leiser Stimme sagte: „Ich bin Jonathan Wheyleigh, derjenige, der die BOLs aufgenommen hat, die den Kornkreis schufen.“


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

5. Mai 2016

Die Oliver’s Castle Video-Affäre (1)

Logo Soerensen Oliver's Castle ArtikelDas Ende eines Mythos
von Joachim Koch

Einige einleitende Worte
Auf dem Bildschirm erscheint in einiger Distanz ein Kornfeld, aufgenommen von einem offensichtlich erhöhten Standpunkt. Keine Besonderheit ist dort unten zu erkennen, bis plötzlich einige weißliche Kugeln erscheinen und kreisförmige Bewegungen vollführen. Und während sie sich so bewegen, erscheint unter ihnen im Feld ein Piktogramm. Man kann erkennen, dass es nicht Teil für Teil „gemacht“ wird, es erscheint vollständig fertig, als ob eine Art Vorhang auf der Bühne, die das Kornfeld ist, aufgezogen wurde. Dann fliegen die Kugeln aus dem Bildausschnitt hinaus und lassen das Piktogramm und den verdutzten Betrachter zurück.
Das ist das legendäre Video von Oliver’s Castle, das bis heute für nicht wenige als der heilige Gral für die Echtheit und außerirdische Provenienz des Kornkreisphänomens gilt.
In meinem Artikel „Das Kornkreis-Phänomen reloaded“ habe ich den aktuellen Stand der Kornkreis-„Szene“ skizziert und einige wichtige, für manch einen schmerzhafte, Fakten aus der Zeit seit 1990 wiedergegeben. Es war zu erwarten, dass sich jene „Fundamentalisten“, für die niemals sein kann, was nicht sein darf, dass nämlich alle Kornkreise und Piktogramme zumindest seit 1993 menschengemacht sind, mit entsprechenden Reaktionen meldeten. Piktogramm Oliver's CastleSo präsentierten sie als Beweis für die unumstößliche Richtigkeit ihrer Thesen erneut – und unbelehrbar – das Video des Kornkreises von Oliver’s Castle, der im Morgendunst des 11. August 1996 dort von weißlichen, scheinbar schwebenden Kugeln erschaffen worden sein sollte.

Das legendäre Piktogramm von Oliver’s Castle.

Ja richtig, das Piktogramm ist einfach strukturiert, leicht, einfach und schnell herzustellen und würde ohne das Video als schlampiger Hoax durchgehen. Aber es ist hier nicht der Kornkreis, sondern das Video, das uns interessiert.

::Bilder – Mit freundlicher Genehmigung von Peter Soerensen.


::Inhaltsverzeichnis zur Oliver’s Castle Video-Affäre
Teil 01 – Einige einleitende Worte
Teil 02 – Die Hintergrundgeschichte (I)
Teil 03 – Die Hintergrundgeschichte (II)
Teil 04 – John Wheyleigh
Teil 05 – Erste Zweifel durch die Slow-Motion-Maschine
Teil 06 – Die Smoking Gun
Teil 07 – Der letzte Sargnagel (I)
Teil 08 – Der letzte Sargnagel (II)
Teil 09 – Der letzte Strohhalm
Teil 10 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (I)
Teil 11 – Das mysteriöse Verschwinden von Wheyleigh (II)
Teil 12 – Anmerkungen

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